Schriftstellerwerkstatt gestaltet Lesenacht des Hospiz-Vereins
Es ist bereits eine wunderbare Tradition geworden, dass die Mitglieder der Schriftstellerwerksstatt des Gymnasiums Zwiesel unter der Leitung von StDin Kuchler alljährlich an der Lesenacht des Hospizvereins Arberland e.V. in der Stadtbücherei Regen teilnehmen. Dort gestalten sie den ersten Teil des Abends mit selbstverfassten Geschichten und Gedichten.
Mit besonderer Freude und jugendlichem Elan lasen so Ende Februar wieder die jungen Nachwuchsschriftsteller zum Thema „Im Mittelpunkt der Mensch“, das die kleinen Schreiberlinge im Wahlkurs eifrig diskutiert hatten. Bei vielen kam sofort das Thema Künstliche Intelligenz und deren Chancen und Gefahren zur Sprache. So tauchte dieses Thema auch in mehreren Beiträgen der jungen Autoren und Autorinnen auf, in nachdenklichen Geschichten, aber auch witzigen Gedichten.
Von künstlichen Gehirnen bis zum Wolf im Menschen
So reimte Anna-Lena Hamel aus der Klasse 11 in amüsanten Versen über „Das künstliche Hirn“, das der Mensch sich geschaffen hat und das allenthalben sein Unwesen treibt – an den Schluss hat die junge Autorin eine Warnung vor möglichen katastrophalen Folgen gesetzt.
David Eller aus der 6. Klassen bot in seiner „Worldstory“ ein dystopisches Zukunftsbild von arbeitslosen und ersetzten Menschen, die von Robotern aus ihrem bisherigen Leben gedrängt werden, und mahnte in einem Schlussappell zu Menschlichkeit, Wärme und analoger Nähe.
Den bedenklichen Seiten des menschlichen Wesens widmeten sich Lucia Kutzer und Annemarie Zellner (beide 5. Klasse). Lucia veranschaulichte „Das komplexeste Wesen des Universums“, den Menschen, der sich immer mehr seiner Kreativität von der KI rauben lässt, und das bereits in Kindheit und Schule. Annemarie erklärte eindrucksvoll das berühmte Zitat des Menschen, der dem Menschen ein Wolf ist, und hoffte, dass ein Umdenken im Miteinander einsetzt, so dass der Mensch des Menschen Freund werden kann.
Von der Qual menschlicher Existenz zur coolen Oma
In der zweiten Runde der Lesung faszinierte die Erzählung „Existenz“ von Johanna Ademi aus der 8. Klasse des Gymnasium, in der mitreißend verdeutlicht wurde, wie sehr sich der Mensch oft von Leistungsdruck, Kapitalismus und dem Streben nach Reichtum verführen lässt, nur um dabei das Wichtigste seiner Existenz zu verlieren: Freunde, Mitgefühl, familiäre Wärme und innere Zufriedenheit.
Ein ähnliches Thema hatte sich Alexandra Ujvari (5. Klasse) gewählt, die in ihrer kleinen Geschichte „Auszeit“ veranschaulichte, wie sich der im Arbeitsleben ausgebeutete Mensch wieder der Natur zuwendet und dort Freude und Erfüllung findet.
Einen witzigen Kontrapunkt setzte dann Ruben Buchinger (5. Klasse) mit einem symbolischen Gedicht von Franz von Kobell, der das Leben des Menschen mit einem alten Lederstiefel vergleicht, und brachte zudem mit der Lesung eines weiteren Gedichts von Anna-Lena Hamel, die krankheitsbedingt fehlte, über „Meine coole Oma“ das Publikum zum Lachen: War doch die Oma auf dem Veggi-Trip und versuchte, ihre ganze Familie von der „Fleischfresserei“ zu heilen.
Von der Hoffnung auf Zukunft
Die Schlussrunde brachte die Zuhörer noch einmal zum Nachdenken: StDin Kuchler las einen für das Magazin „Lichtung“ verfassten Text zu Heinrich Bölls Kurzgeschichte „Wanderer kommst du nach Spa….“, der in berührender Weise auf die Intensität und noch heutige Wirksamkeit dieser Geschichte für unsere Gegenwart verwies. Als eine Mahnung an die Beendigung des Kriegstreibens für Mitgefühl und Humanität.
Ein Gemeinschaftsgedicht der Schriftstellergruppe zum Thema „Menschsein“ in aufeinanderfolgenden Elfchen, die das Leben des Menschen und seine Hoffnungen Revue passieren ließen, beendete den unterhaltsamen ersten Teil der Lesenacht.
Beeindruckt und bewegt zeigte sich das Publikum in der Stadtbücherei Regen von den tiefsinnigen Gedanken und Überlegungen der so jungen Autorinnen und Autoren. Ein kräftiger Applaus bestärkte die Gruppe, mutig weiterzuschreiben!
(Martina Kuchler)